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Warum wir Stress zu spät ernst nehmen – und was echte Prävention braucht

Wir reparieren zu viel – und verhindern zu wenig 

  

Unser Gesundheitssystem ist gut darin, Diagnosen zu stellen.Und erstaunlich schlecht darin, Belastung frühzeitig abzufangen. Wir warten, bis Symptome da sind. Bis Ausfälle passieren. Bis das System kippt. 

Dann beginnt der Reparaturbetrieb. Was davor fehlt, sind niedrigschwellige, alltagstaugliche Formen von Prävention.

 

„In der Prävention versagen wir oft“ – ein aufrüttelnder Befund 

Ein aktuelles Interview in der Landsberger Zeitung (Augsburger Allgemeine) mit Prof. Alkomiet Hasan, Vorstand der Bezirkskliniken Schwaben und Klinikdirektor an der Universitätsklinik Augsburg, bringt es sehr klar auf den Punkt.

  

Die Kernaussagen sind ernüchternd – und zugleich wichtig: 

  • Psychische Erkrankungen führen zu extrem langen Ausfallzeiten

  • Das Hauptproblem ist häufig nicht nur die Erkrankung selbst, sondern die Scham

  • Viele Betroffene verschweigen ihre Belastung aus Angst vor Nachteilen im Job

  • Dadurch wird Hilfe zu spät gesucht

  • Späte Hilfe bedeutet: längere Therapien, längere Ausfälle, mehr Leid

 

Was hier sichtbar wird, ist ein Teufelskreis:
Je länger Belastung versteckt wird, desto größer wird der Druck – bis er sich irgendwann unkontrolliert entlädt.

 

Prävention scheitert nicht am Wissen – sondern an der Zugänglichkeit 

Wir wissen längst, dass Stress krank macht. Wir wissen, dass Bewegung, Regulation und Entlastung präventiv wirken. Was fehlt, sind Räume, in denen das auch wirklich gelebt werden darf – ohne Stigmatisierung, ohne Leistungslogik, ohne Rechtfertigungsdruck. Viele Angebote greifen erst, wenn bereits eine Diagnose vorliegt.
Doch das Nervensystem gerät nicht plötzlich aus dem Gleichgewicht.Es rutscht langsam in Überlastung.

 

Prävention müsste genau dort ansetzen: früh, niederschwellig, körpernah.

 

Warum Reden allein oft nicht reicht 

Gespräche sind wichtig.
Reflexion ist wichtig.
Doch chronischer Stress sitzt nicht nur im Kopf – er sitzt im Körper. 

 

Wenn das Nervensystem im Dauer-Alarm ist, greifen Worte oft zu kurz.Deshalb arbeite ich in der Stressprävention bewusst körperbasiert

  • Bewegung als Ventil für aufgestaute Spannung

  • Intuitives Malen mit Körpereinsatz, um innere Zustände auszudrücken, die sich nicht formulieren lassen

  • Gezielte Entspannung, um den Alarmmodus zu verlassen

  • Erfahrungsräume ohne Leistungsdruck, in denen man nicht „funktionieren“ muss

 

Das ist keine Therapie – sondern frühe Entlastung, bevor Therapie nötig wird.

 

Stress braucht ein Ventil – sonst sucht er sich eins  

Unverarbeiteter Stress verschwindet nicht. Er staut sich. Und sucht sich Wege: 

  • körperlich

  • emotional

  • psychosomatisch

  • in Erschöpfung

 Was sich gesellschaftlich ändern müsste 

Wenn wir Prävention ernst nehmen würden, bräuchte es: 

  • niedrigschwellige Angebote in Unternehmen

  • Räume für Regulation, nicht nur für Leistung

  • Enttabuisierung von psychischer Belastung

  • Führung, die Pausen und Regulation vorlebt

  • ein Verständnis von Gesundheit, das vor der Diagnose beginnt 

Das ist kein „Nice-to-have“. Das ist langfristig günstiger – menschlich wie ökonomisch.

  

Fazit 

Wir reparieren zu viel – und verhindern zu wenig. Nicht, weil Menschen sich nicht kümmern wollen. Sondern weil die Strukturen es schwer machen, frühzeitig gut für sich zu sorgen. Prävention beginnt dort, wo Druck abfließen darf, bevor er krank macht.

  

Wenn du dir für dich oder dein Team niedrigschwellige Wege wünschst, Stress frühzeitig zu regulieren:
In meinen Retreats & Workshops bei MindMoveArt arbeite ich genau mit diesen körperbasierten Formen von Stressprävention – jenseits von Leistungsdruck und Diagnoselogik.

 

 

Dieser Beitrag bezieht sich auf ein Interview mit Prof. Alkomiet Hasan, geführt von Daniela Hungbaur und Jakob Stadler, veröffentlicht am 22.01.2026 in der Landsberger Zeitung (Augsburger Allgemeine).

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