Wir leben in einem System, das exzellent darin ist, zu reparieren – aber erstaunlich schlecht darin, gesund zu halten.
Erst wenn Menschen zusammenbrechen, Diagnosen erhalten oder ausfallen, beginnt die große Maschinerie zu greifen: Therapie, Medikation, Reha, Krankschreibung, Wiedereingliederung.
Vor Kurzem haben Dr. Stefan Waller und Dr. Orell Mielke auf LinkedIn genau diese Schieflage thematisiert:
👉 Wir investieren den Großteil unserer Ressourcen in die Behandlung von Krankheiten – und nur einen Bruchteil in deren Vermeidung.
Das ist kein individuelles Versagen. Das ist ein strukturelles Problem.
Ein System, das erst reagiert, wenn es zu spät ist
Die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes und des RKI stützen diesen Befund: Die Krankheitskosten in Deutschland sind auf über 491,6 Milliarden Euro gestiegen. Während diese gigantische Summe in die kurative Medizin fließt, bleibt für echte Gesundheitsförderung oft nur ein Anteil von ca. 1 % (rund 5 Mrd. €) übrig.
Das bedeutet: Wir geben ein Vielfaches dafür aus, Systeme wieder notdürftig zu stabilisieren, anstatt sie von Anfang an resilienter zu machen. Gesundheit wird repariert – nicht kultiviert. Belastbarkeit wird vorausgesetzt – nicht trainiert. Erschöpfung wird behandelt – statt ihr vorzubeugen.
Was ich als Burnout-Fachkraft täglich sehe
In meiner Arbeit begegne ich Menschen nicht am Anfang ihrer Überlastung – sondern meist am Rand des Abgrunds:
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Wenn der Körper bereits Signale sendet
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Wenn Schlaf, Konzentration und Emotionen aus dem Gleichgewicht geraten
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Wenn das Nervensystem im Dauer-Alarmzustand feststeckt
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Wenn das Funktionieren zum einzigen Lebensmodus geworden ist
Was mich dabei immer wieder berührt – und auch wütend macht: Fast niemand kommt mit der Frage:
„Wie bleibe ich gesund?“ Die meisten kommen mit: „Jetzt geht nichts mehr.“
Prävention ist kein Wellness-Luxus – sondern biologische Notwendigkeit
Echte Prävention bedeutet nicht: ab und zu ein Wellness-Wochenende oder eine Yogastunde im Kalender.
Prävention heißt:
👉 die biologische und mentale Resilienz regelmäßig nähren.
Wenn Dr. Orell Mielke von Neuroplastizität spricht, benennt er die wissenschaftliche Grundlage dessen, was ich in der Praxis täglich erlebe: Unser Nervensystem ist formbar – in beide Richtungen. Es lernt Überlastung genauso wie Regulation. Es lernt Dauerstress genauso wie Sicherheit. Die Frage ist nicht, ob wir unser System trainieren. Sondern wofür.
Kreative Prävention: Warum Worte oft nicht ausreichen
Viele präventive Angebote bleiben auf der kognitiven Ebene:
Verstehen, reflektieren, analysieren.
Das ist wertvoll – reicht aber oft nicht aus, wenn der Körper längst im Alarmmodus ist. Deshalb arbeite ich mit kreativen, körperbasierten Zugängen:
Intuitives Malen
Intuitives Malen wirkt direkt auf emotionale Verarbeitungsprozesse. Es senkt Stresshormone, umgeht den inneren Zensor und öffnet Zugänge zu inneren Zuständen, die sprachlich oft schwer greifbar sind.
Bewegung & Entspannung
Bewegung und bewusste Entspannung sind keine „netten Extras“, sondern neurobiologische Grundlagen für Regulation. Sie helfen dem Nervensystem, vom Dauer-Alarm (Sympathikus) wieder in einen Zustand von Sicherheit und Erholung zu finden.
Mentale „Ablagerungen“ abbauen
Wenn wir Gefäßplaques stabilisieren oder abbauen können, dann können wir auch die „mentalen Ablagerungen“ von chronischem Stress regulieren – bevor sie zu Erschöpfung, innerer Leere oder psychosomatischen Symptomen führen.
Weg vom funktionalen Überleben – hin zu einer intuitiven Lebensführung
Viele Menschen leben im Modus des funktionalen Überlebens: leistungsfähig, angepasst, durchhaltend – aber innerlich erschöpft.
Mein Ziel in der Arbeit mit Menschen ist ein Perspektivwechsel:
👉 Weg vom ständigen Kompensieren.
👉 Hin zu einer Lebensführung, die sich innerlich stimmig anfühlt.
Nicht perfekt.
Aber reguliert.
Nicht leistungsfrei.
Aber lebendig.
Prävention gehört in den Alltag – und in die Unternehmenskultur
Wenn wir Prävention ernst nehmen würden, wäre sie:
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Teil der Arbeitskultur
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Teil von Führung
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Teil von Gesundheitsmanagement
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Teil des Alltags, nicht nur der Krise
Nicht als Pflichtprogramm.
Sondern als selbstverständliche Pflege unseres Nervensystems. Denn die beste Therapie ist die, die wir durch rechtzeitige Selbstfürsorge gar nicht erst brauchen.
Einladung zur Reflexion
Wo investierst du aktuell mehr Energie – in Reparatur oder in Prävention?
Und wie sieht deine persönliche „mentale Herzfrequenz“ aus:
bist du dauerhaft im Hochpuls – oder gönnst du deinem System regelmäßig Regulation?
Wenn du Prävention nicht nur theoretisch denken, sondern praktisch in deinen Alltag integrieren möchtest:
In meinen Retreats & Workshops bei MindMoveArt arbeiten wir genau mit diesen kreativen, körperbasierten Zugängen zur Resilienz – jenseits von Leistungsdruck und Optimierungslogik.
Dieser Beitrag ist als vertiefende Reflexion zu einer Diskussion entstanden, die Dr. Stefan Waller und Dr. Orell Mielke auf LinkedIn angestoßen haben.


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