· 

Haben wir in Deutschland eigentlich einen „Graufilter“ abonniert?

 

Ein kurzer Einblick in meine persönliche „Anti-Graufilter-Praxis“:

 

Im Artikel unten beschreibe ich, warum genau diese sinnlichen Erfahrungen unser Nervensystem regulieren – und warum sie mehr sind als nur kreativer Zeitvertreib.

 

Über kollektive Stimmung, mentalen Realismus – und warum wir Farbe brauchen

 

Kennst du dieses Gefühl, nach einer Reise zurückzukommen und plötzlich wirkt alles schwerer?


Die Gesichter ernster.
Die Stimmung gedrückter.
Der Alltag grauer – obwohl objektiv alles „funktioniert“.

 

Ein Beitrag des Neurophysiologen Dr. Gerd Wirtz hat genau dieses Gefühl bei mir getriggert. Nach Reisen nach Sizilien, Irland oder Frankreich habe ich das oft körperlich gespürt: Nicht, weil dort alles perfekt wäre – sondern weil Leichtigkeit dort mehr Raum hat.

 

Effizienz um jeden Preis – und was sie mit uns macht

 

Der kleine Schockmoment der Woche: ein neues „Doppel-Abkassier-System“ im Discounter.
Zwei Kassenprozesse in einem. Alles noch schneller. Noch effizienter. 


Funktional? Ja. 


Menschlich nährend? Eher nicht.

 

Unser Alltag ist auf Optimierung getunt: schneller, produktiver, reibungsloser.
Was dabei oft verloren geht:
Zwischenräume. Langsamkeit. Freundliche Unnötigkeit. Und genau diese Dinge regulieren unser Nervensystem. Wenn Dauer-Effizienz zur Norm wird, lebt unser Körper im Dauer-Modus von „Funktionieren“.
Nicht im Modus von Lebendigkeit.

 

Pessimismus als „Realismus“ – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko

 

Was wir gerne „Realismus“ nennen, ist oft ein kulturell akzeptierter Grundpessimismus. Eine Haltung, die sagt: „Erwarte lieber nichts Gutes – dann wirst du nicht enttäuscht.“ 

 

Das Problem:
Diese Grundstimmung wirkt auf unser Nervensystem wie ein Dauerreiz. Chronisch negative Erwartungshaltungen erhöhen:

  • innere Anspannung

  • Stressreaktionen

  • kardiovaskuläre Risiken

  • emotionale Erschöpfung

Wir tracken Schritte, Schlafphasen und Omega-3-Werte – aber unsere mentale Grundverfassung bleibt oft unbeachtet. Dabei ist sie einer der stärksten Hebel für Gesundheit.

 

Meine persönliche „Anti-Graufilter-Therapie“

 

An diesem Sonntag habe ich etwas sehr Einfaches gemacht: Ich habe die Pinsel weggelegt – und meine Hände direkt in die Farbe getaucht.

 

Kein Konzept.
Kein schönes Ergebnis als Ziel.
Nur Kontakt mit Farbe.

  • Pink: zäh, dickflüssig.
    Es hat sich gewehrt wie ein Montagmorgen.

  • Orange: schoss aus der Tube.
    Energie pur, fast übergriffig lebendig.

  • Türkis: mit dem Spachtel als ruhiger Gegenpol.

Allein dieses haptische Erleben – Temperatur, Widerstand, Fließen – hat mein Nervensystem spürbar aus dem Funktionsmodus geholt.


Ich war wieder im Körper. Im Moment. In Farbe.

Das ist kein Kunstprojekt.
Das ist Selbstregulation.

 

Warum Farbe, Sinnlichkeit & Spiel kein Luxus sind

 

Kreative, sinnliche Erfahrungen aktivieren andere neuronale Netzwerke als reines Problemlösen.
Sie bringen uns:

  • aus dem Kopf

  • in den Körper

  • aus der Bewertung

  • in die Erfahrung

Das wirkt regulierend auf das Nervensystem – und unterbricht genau jenen inneren „Graufilter“, der sich im Alltag so unbemerkt einschleicht. Nicht, weil plötzlich alles gut ist. Sondern weil wir uns innerlich wieder mehr Spielraum erlauben.

 

Brauchen wir eine „Optimismus-Kampagne“?

 

Der Impuls von Dr. Gerd Wirtz hat mich hängen lassen:
Warum gibt es für unsere mentale Grundhaltung keine genauso selbstverständliche Pflege wie für Ernährung oder Bewegung?

 

Warum nicht:

  • Meetings mit einer positiven Beobachtung beginnen

  • abends drei Dinge benennen, die gut waren

  • bewusst kleine Momente von Farbe, Sinnlichkeit oder Humor einbauen

Nicht als toxischen Positivismus. Sondern als Gegengewicht zur kollektiven Schwere.

 

Drei gute Dinge – eine kleine Übung 

 

Eine Mini-Praxis für deinen Alltag:

Am Ende des Tages:

  1. Benenne drei Dinge, die gut waren

  2. Eine davon sollte körperlich spürbar gewesen sein

  3. Eine davon darf völlig banal sein

Eines meiner drei guten Dinge heute:
Bunte Farbe mit den Fingern auf die Leinwand bringen.

 

Einladung zur Reflexion

Wo erlebst du in deinem Alltag „Graufilter-Momente“? Und was bringt für dich Farbe, Leichtigkeit oder Sinnlichkeit zurück?

 

Wenn du solche sinnlichen, kreativen Zugänge zur Selbstregulation nicht nur alleine, sondern in einem geschützten Raum erleben möchtest:
In meinen Retreats & Workshops bei MindMoveArt arbeiten wir genau mit diesen Formen von Farbe, Bewegung und Körperwahrnehmung – jenseits von Leistungsdruck.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0